Claus van Gils

Claus van Gils – eine Umtaufung

Im Wonnemonat, am 9. Mai des Jahres 2016, beschloß ich meinen Vorfahren Tribut zu zollen. Bereits beim Umzug von München ins wallonische Baelen 1989 hatten sie offenbar (geografisch-lebenstechnisch) an mir gezerrt und die Weichen für die nächsten Jahrzehnte umgelegt.

Unweit von unserem etwa 300 Jahre alten zum Atelierhaus umgebauten Baelener Blausteinhaus liegt westlich von Verviers Petit-Rechain. Dort beginnt der mir vorliegende Stammbaum der van Gils um 1750 mit Theodor Joseph van Gils. Von diesem Familienstamm weiß ich, dass einige in Verviers als Schweizerdegen gearbeitet haben. Ein altes Wort aus dem 18. Jahrhundert für denjenigen mit Worten Hantierenden, der zugleich (Buchstaben-)Setzer und Drucker war. Als entfernter Verwandter fühle ich mich dem nahe, wenn ich meine Publikationen selbst am Computer „setze“ und im Selbstverlag „drucke“ (naja: auch drucken lasse).  

Der Familienstamm der van Gils findet sich dann im beginnenden 19. Jahrhundert in Burtscheid und Aachen und verzweigt sich weiter zur Figur des Urgroßvaters, den meine in Baesweiler 1903 geborenen Mutter mir als den Herrn Zeremonienmeister Joseph (Kaspar Hubert) van Gils (1853-1927) mit hübschen Anekdötchen schilderte. Ich wähle ihn mir zum Umtaufpaten aus.

Nicht vergessend seinen Vater, den Peter (Kaspar Hubert) van Gils (1821-1900), durch dessen Heirat 1847 mit Maria Anna von Lövenich ein weiterer Familienstamm auftrat. Dieser mein Ur-Urgroßvater, der in Aachen das „Buchdruckergewerbe“ erlernt hatte, war seit 1839 in Geilenkirchen in der Druckerei von Gottfried Koch und Christoph Kühne tätig und wurde dort verantwortlicher Redakteur der 1836 gegründeten „Geilenkirchener Zeitung“, wie sie ab 1873 bis 1932 hieß, und blieb ab 1874 bis 1900 Eigentümer von Druck und Verlag.

Dessen oben erwähnter Sohn Joseph van Gils wurde nach des Vaters Tod 1900 die Seele von Zeitung und Verlag, lehnte ein Angebot ab, zum Bonner Generalanzeiger zu wechseln, spielte ausgezeichnet Cello und Konzertflöte, war ein großer Freund der Bienen, lebte außerordentlich katholisch („Für Thron und Altar!“ stand als Motto über seiner Zeitung), gründete 1875 den „Sonntagsfreund“, später genannt „Katholisches Sonntagsblatt für die Diözese Köln und die holländische Provinz Limburg“ und noch später „Aachener Kirchenzeitung“. Er war zutiefst enttäuscht, dass er nach dem Tode seines Vaters das Erbe „nur“ als Geschäftsführer einer GmbH weiterführen konnte, was zu Streitereien mit Gesellschaftern und dem Bruder Ferdinand führte. 1911 stieg er aus und übersiedelte nach Siegburg, dann 1919 nach Aachen, wo er das 1894 gebaute Gründerzeithaus Lousbergstraße 62 erwarb. Es ging später in den Besitz seiner Tochter Thea van Gils über.

Das van Gils-Haus in der Lousbergstrasse 62, Aachen. Die Aufnahme von 1957 zeigt die Kriegszerstörung des Nebenhauses. Als ich 1994 eine Ausstellung im Haus Basten in Geilenkirchen hatte, überreichte man mir eine Ausgabe der „Geilenkirchener Zeitung – Westdeutsche Grenzpost“ vom 8. März 1905. Über den Fernsprecher Amt Geilenkirchen Nr. 7 war die Zeitung telefonisch und überdies telegrafisch vom Land zwischen Maas und Rhein mit der Gesamterde verbunden. Krieg in Ostasien, die Gärung in Russland hatten Niederschlag auf der Titelseite gefunden.  

Man war medientechnisch auf dem Laufenden. Ich stelle mir meinen Umtaufpaten vor, wie er höchst strukturiert und zeremoniell die Tage durchplante, allerdings beim Niederrheinischen Musikfest in Aachen bereits nach einem musikalischen Stück den Saal verließ („Ich will mir den Eindruck nicht verwischen lassen!“), wie er Theaterstücke einübte (wohl auch selbst eins schrieb), wie er „sein eigener Zeitungs-Herr“ sein wollte und konsequent blieb. Mein Umtaufname sei also ihm zugeeignet.

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